Friedrich der Große und Graf Brühl – Geschichte einer Feindschaft

Erste gemeinsame Ausstellung des Europäischen Parkverbundes Lausitz

Die im Europäischen Parkverbund Lausitz zusammengeschlossenen Parkanlagen in Branitz, Bad Muskau, Łęknica, Brody und Forst (Lausitz) illustrieren zum 300. Geburtstag Friedrichs II. in drei Ausstellungen das spannungsgeladene Verhältnis des preußischen Königs zu seinem Intimfeind, dem sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl.

Wer war eigentlich dieser Brühl, der heute wohl am ehesten mit der Brühlschen Terrasse in Dresden assoziiert wird? Und warum hat der große Preußenkönig ihn so innig gehasst und keine Gelegenheit ausgelassen, seine Besitztümer zu ruinieren und ihn in der Öffentlichkeit zu diffamieren?

Die Besucher werden es erleben; dass Brühl eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit war, einer der reichsten Männer Sachsens und nach dem Kurfürst-König der größte Grundbesitzer des Landes – und außerdem verantwortlich für die glanzvollen königlichen Kunstsammlungen, die Dresdner Oper und die Meißner Porzellanmanufaktur. Der aggressiven Außenpolitik Friedrichs II. setzte der kunstsinnige Graf raffinierte diplomatische Strategien entgegen.

Auftakt gibt am 25. Mai die Ausstellung in Branitz

„1500 Perücken und keinen Kopf!“, das ist nur eine der Schmähungen, die Friedrich II. über Brühl in die Welt setzte. Im Siebenjährigen Krieg befahl er dann die Plünderung und Zerstörung der Brühlschen Schlösser. Die Branitzer Ausstellung spürt den Ursachen und der Entwicklung des persönlichen Konflikts nach. Prachtvolle Gemälde, Skulpturen, Porzellane, darunter Teile von Brühls legendärem Schwanenservice, vermitteln einen Eindruck von den Persönlichkeiten der beiden Gegenspieler, erzählen von Kunstagenten, Spionen, von der Macht der Diplomatie, von Rache und Zerstörung.

Die Ausstellungsmacher

Kuratiert wird die Ausstellung von der Potsdamer Historikerin Dr. Simone Neuhäuser. Sie hat in den vergangenen 10 Jahren bereits zahlreiche Ausstellungsvorhaben zur Landesgeschichte betreut und freut sich u.a. auf die Publizierung der bisher weitestgehend unbekannten Fakten, die zum Bild vom „bösen“ preußischen König, dem es vor allem um seinen Nachruf ging, beitragen. Auch für den Ausstellungsarchitekten Enrico Oliver Nowka schließt sich ein Kreis, baute er doch einst eine Ausstellung zu den preußischen Tugenden in Neuhardenberg. In Branitz kann er sich nun auch den weniger tugendhaften preußischen Gebärden widmen und sogar ein Fälscherkabinett nachbauen.

Ausstellungsreigen wird im Sommer komplett

In Brody (ehemals Pförten) steht Brühl ab 12. August als einstiger Besitzer der Standesherrschaft Forst-Pförten im Mittelpunkt. Er verwandelte Pförten in eine florierende barocke Residenzstadt, die Friedrich 1758 in Flammen aufgehen ließ. Die als Dauerausstellung konzipierte Präsentation „Brody (Pförten) – Residenz des Grafen Brühl“ erläutert in Bild und Text das Wirken Brühls, ausgehend vom aktuellen Zustand der Schloss- und Parkanlage und der bis heute erhaltenen barocken Stadtstruktur.

In der Stadtkirche von Forst schließlich wurde der Graf auf persönlichen Wunsch hin bestattet. Genau hier eröffnet am 13. August die Ausstellung „Forst (Lausitz) – Graf Brühl und seine Stadt“, deren Kernstück eine gleichnamige Filmpräsentation ist.

An den drei Ausstellungsorten bis hin zum Muskauer Park wird ein vielseitiges Begleitprogramm angeboten, das weitere Facetten beleuchtet.

Die Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen von Kulturland Brandenburg 2012 “KOMMT ZUR VERNUNFT! Friedrich der Zweite von Preuszen”.